In meinem letzten Artikel Bye bye tiergestützte Pädagogik, habe ich euch von meiner Entscheidung berichtet, diese wirklich schöne Arbeit hinter mir zu lassen. Heute möchte ich euch mal berichten, wie ich das gemacht habe und was ich generell hilfreich finde, wenn Entscheidungen getroffen werden müssen. Denn sind wir doch mal ganz ehrlich. Irgendwie besteht doch unser ganzes Leben aus Entscheidungen, das fängt schon mit den kleinen Entscheidungen an, welche Kleidung wir tragen und was wir frühstücken sollten. Doch unser Leben ist auch geprägt von großen, wirklich wichtigen, Entscheidungen. Entscheidungen, von denen wir glauben, das alles von Ihnen abhängt und wenn wir uns hier falsch entscheiden…ja was ist dann eigentlich? Und da sind wir auch schon bei einem ganz wichtigen Punkt.
Es gibt keine falschen Entscheidungen
Das klingt jetzt vielleicht komisch, doch ich glaube das inzwischen wirklich. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir immer die bestmögliche Entscheidung mit dem Wissen, das wir jetzt gerade haben treffen. Denn es ist nun mal so, dass wir nicht wissen, was in der Zukunft passiert, genau deshalb ist die Entscheidung ja schwierig. Denn ganz ehrlich, wäre es schwer dich zu entscheiden, ob du dich selbstständig machen möchtest, wenn klar wäre, dass es klappt und du richtig reich wärst? Wäre es schwierig zu entscheiden ein Haus zu kaufen, wenn du wüsstest, dass ihr die Raten nach drei Jahren nicht mehr zahlen könnt weil du den Job verlierst? Würde es überhaupt zur Debatte stehen an der Ostsee Urlaub zu machen, wenn du jetzt schon wüsstest, dass es dort die ganze Woche regnen, in der ihr da seid regnet und das Wetter im Allgäu, eurer zweiten Wahl absolut traumhaft ist? Würdest du wirklich überlegen, dir einen Hund anzuschaffen, wenn du wüsstest, wie wundervoll das Zusammenleben wird? Oder vielleicht auch wenn du wüsstest, dass er Verhalten zeigen wird, mit dem du einfach nicht klar kommst. Das dir den Schlaf raubt?
Wenn wir das wüssten, würde sich doch keiner für etwas entscheiden, von dem wir wüssten, dass es nicht klappt oder nicht zu wird wie wir es uns wünschen. Aber wir wissen es nicht. Entscheidungen, deren Ausgang wir wissen, fallen leicht, von diesen spreche ich nicht. Bei allen anderen ist es daher also eigentlich egal, wie du dich entscheidest, du wirst es danach wissen, ob es richtig war. Einfach weil wir leben und das Leben so viel für uns bereit hält. Ich persönlich bin übrigens der Meinung, dass wir unser Leben tatsächlich mit beeinflussen können, aber das ist ein anderes Thema.
Hör auf dein Bauchgefühl
Wenn du wirklich vor einer Entscheidung stehst, wie ich sie oben beschrieben habe. Eine Entscheidung bei der du einfach nicht weißt, ob es klappt oder nicht. Hör auf dein Bauchgefühl oder mach einfach das, was sich gut anfühlt, worauf du richtig Lust hast. Aber ganz wichtig (!). Ich spreche hier ganz klar von Entscheidungen, bei denen man nicht weiß, ob es klappt. Es gibt einfach Dinge, bei denen klar ist, dass das jetzt vielleicht keine gute Idee ist. Wenn du gerade eine Vollzeitstelle angefangen hast, dafür in eine fremde Stadt gezogen bist und keinen Hund mit auf die Arbeit nehmen kannst, wäre ganz klar kein guter Zeitpunkt für einen Hund. Von solchen Entscheidungen spreche ich nicht. Aber die wirklich schwierigen Entscheidungen sind ja genau die, bei denen wir nicht wissen, ob es klappt und ja wenn es klappt kann es richtig richtig gut werden. Kennst du das Gefühl, wenn du daran denkst und dein ganzer Körper fängt an zu kribbeln? Du musst grinsen weil es einfach so toll wäre. Ohja das ist es. Wenn dann die Rahmenbedingungen passen – Do it! Kleiner Disclaimer, genau so eine Entscheidung treffe ich gerade, deshalb kann ich das Gefühl so gut beschreiben. Bald erfährst du worum es geht.
Falls du hier kein richtiges Gefühl hast, möchte ich dir eine kleine Methode vorstellen, das Tetralemma. Wichtig ist, dass du dich hierfür an einen ungestörten Ort begibst und dir wirklich einen Augenblick Zeit nimmst. Wenn du ein Tier hast, darf dieses gerne im Raum bleiben, vielleicht kann es dir etwas verdeutlichen, lass uns mal schauen.
Schreibe die beiden Entscheidungen, vor denen du stehst auf Karten und lege sie gegenüber auf den Boden. Also in meinen Fall:
Ich bleibe angestellt.
Ich mache mich selbstständig
Stelle dich auf die Karten und fühle dich in die entsprechende Situation ein. Erst auf die erste Karte:
Ich bleibe angestellt. Ich habe damals wirklich eine richtige Beklemmung gefühlt, es war als ob ich mich nicht richtig bewegen kann und nicht da hin kommen kann, wo ich gerne hin möchte.
Ich mache mich selbstständig. Der erste Gedanke war: Jawoll endlich (ja ich habe lange mit dem Gedanken gespielt), dann Freude und Freiheit, Gefühle, die ich gerne öfter fühlen möchte und dann kam die Angst, hierauf gehe ich später noch genauer ein, das muss tatsächlich gar nicht schlecht sein.
Während du dich in die Situation eifnühlst, stell sie dir wirklich genau vor: Wie sieht dein Tag aus, was machst du, wie geht es dir und ganz wichtig. Tu so, als ob die Entscheidung schon getroffen ist. Stell dir vor du bist selbstständig. Jetzt, in diesem Moment.
So jetzt nimmst du eine dritte Karte und auf diese schreibst du wie es wäre, wenn du es machst aber doch nicht. Also keins von beidem oder beides. Das klingt komisch, aber ich glaube daran, dass dir etwas einfällt, wenn du im Prozess bist. Lass dich jetzt nicht davon abhalten, wenn dir jetzt beim Lesen nichts einfällt.
Bei mir war es: Ich reduziere meine Stunden und mache mich nebenberuflich selbstständig. Dann machst du das gleiche Spiel wie eben, einfühlen, wirken lassen, ankommen. Wie wäre dein Leben, wenn du diese Entscheidung getroffen hast.
So, wenn du das schon komisch fandest, wird es jetzt richtig schräg. Nimm die eine vierte Karte und das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber genau das soll diese Karte auch sein. Auf diese Karte schreibst du etwas, das vielleicht gar nichts mit dem eigentlichen Dilemma zu tun hat. Etwas ganz anderes und diese Karte darf genau so sein, wie sie klingt, etwas verrückt. Bei mir war es auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so verrückt aber ich habe einfach intuitiv auf die Karte geschrieben: Ich arbeite gar nicht mehr und genau das hat den Ausschlag gegeben, denn wisst ihr was ich dann gedacht habe? Mein Gedanke war, dass ich doch so viele Ideen habe und Projekte machen will, das geht doch dann gar nicht tja und damit war die Entscheidung gefallen: Ich mache mich selbstständig um genau diese Projekte zu verwirklichen und zwar so wie es auf der dritten Karte stand: Nebenberuflich und Schritt für Schritt. Es darf auch so etwas sein, wie dass du auswanderst, einen Gnadenhof eröffnest…
Falls du ein Haustier hast, kannst du auch mal beobachten, was dein Tier macht, während du auf den einzelnen Karten steht. Kommt es vielleicht freudig zu dir, dann scheint diese Karte etwas positives auszulösen. Geht es weg? Macht dich an der Situation, in der du gedanklich gerade bist, vielleicht etwas wütend?
Was hält dich davon ab?
Wenn du vor einer Entscheidung stehst, kann es auch hilfreich sein mal zu schauen, was dich davon abhält. Hier möchte ich dir ein Beispiel nennen, als ich überlegt habe mich selbstständig zu machen hatte ich diese Stimme in mir, die mir immer wieder gesagt hat, dass das keine gute Idee ist. Warum ein unbefristetes Arbeitsverhältnis aufgeben, in dem du den Job machen kannst, denn du immer machen wolltest. Nur weil du mehr willst? Das war die Angst. Hachja diese Angst, meine beste Freundin und ärgste Feindin zu gleich. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mich immer schützen möchte aber gerade in Verbindung mit meinem Verstand, hat sie einfach echt ein Problem damit, wenn ich etwas Neues wagen möchte. Selbst wenn alle Rahmenbedingungen stimmen. In meinem Fall, habe ich mich bewusst für eine sehr sichere Tätigkeit entschieden, bei der ich wusste, das dringend Leute gebraucht werden, eben die rechtliche Betreuung. Trotzdem mag der Verstand es einfach nicht, wenn wir etwas Neues tun und weißt du was, das ist sein Job. Dein Verstand ist nicht dafür da, dass du glücklich wirst oder ein erfülltes Leben führst, er möchte einfach nur, dass du überlebst. Und das hat ja bis jetzt ganz gut geklappt, also solltest du, wenn es nach ihm ging, lieber nichts verändern. Aber ist es das was du willst? Überleben, falls ja triff die entsprechende Entscheidung. Falls nicht, weißt du was zu tun ist.
Welcher Anteil in dir entscheidet
Auch das kann nochmal hilfreich sein, wenn wir unbewusst sind, kann es schnell passieren, dass wir uns von der Angst und/ oder unserem Verstand leiten lassen und wie gesagt, da ist die Frage wollen wir die Sicherheit, für die diese beiden Sachen verantwortlich sind. Ich habe ja schon öfter darüber geschrieben, dass wir entscheiden können, was wir denken und wir können auch Personen fragen, die wir fragen möchten. Ich stelle mir bei sowas zum Beispiel oft Personen vor, die das Leben leben, das ich leben möchte. Wie würden sie sich in der Situation entscheiden? Meine Lieblingsberater sind übrigens Jane Godall und Pippi Langstrumpf. Beides große Vorbilder für mich und nein, die Personen müssen nicht real sein. Du darfst natürlich auch deine Tiere fragen.
Auch keine Entscheidung ist eine Entscheidung
Manchmal glauben wir, dass es vielleicht gut ist noch etwas mit der Entscheidung zu warten und sie nicht sofort zu treffen. Das ist richtig, aber vergiss dabei bitte nie, dass das auch eine Entscheidung ist. In meinem Beispiel von oben, war dass die Entscheidung weiter angestellt zu bleiben. Ganz deutlich habe ich dieses Thema bei der Entscheidung gemerkt, nicht mehr tiergestützt zu arbeiten. Ich arbeite ja bereits seit September 2025 nicht mehr tiergestützt, doch ich hatte immer im Kopf, dass ich es vielleicht doch irgendwann nochmal machen werde. Ich habe Gespräche mit meinem ehemaligem Arbeitgeber geführt, mit dem hiesigen Veterinäramt telefoniert, meine Stallbetreiberin ins Boot geholt, um es irgendwann vielleicht wieder machen zu können. All das hat meine Zeit und meine Energie gebunden und genau diese Sachen sind doch bei den meisten von uns sowieso sehr knappt. Tatsächlich wurde es dann am Ende sogar nochmal sehr konrket und dann habe ich gemerkt, dass es das einfach nicht mehr ist, dass ich es wenn dann nur wenige Stunden machen würde, weil jetzt einfach etwas anderes dran ist und dafür würde sich der notwendige Aufwand nicht lohnen. Dann konnte ich loslassen und es hat sich angefühlt, wie eine Erleichterung.
Obwohl diese Entscheidung erst wenige Tage alt ist, ist seit dem wirklich schon einiges passiert, Dinge die immer mal im Raum standen, für die ich bisher aber keine Kapazitäten hatten und die jetzt in mein Leben kommen dürfen. Schau gerne bald wieder vorbei oder folge mir auf Instagram, ich werde bald berichten wovon ich hier spreche.
Falls dir das jetzt alles etwas komisch vor kommt ist das in Ordnung, probiere es einfach mal aus, vielleicht passiert ja etwas Neues, das ist oft so, wenn uns Sachen merkwürdig vorkommen. Wenn du Begleitung bei deiner Entscheidungsfindung brauchst, melde dich gerne bei mir.
Hallo Jaqueline,
wie spannend!
Ich habe gerade gestern abend nach dieser Methode eine Entscheidung gefällt (allerdings nur mit 2 Blättern, ja/nein) und ein wages Bauchgefühl erhalten,welches mir aber dieses belebende richtige Gefühl gegeben hat. Allerdings geht es darum etwas sehr lieb gewonnenes aufzugeben und heute kommt schon wieder der Kopf hinzu und ich verstehe mich selbst nicht mehr 🤔. Aber ich finde es spannend, dass ich gerade HEUTE deinen unterstützenden WhatsApp Beitrag zu diesem Thema gelesen habe. (Ich habe wohl noch deine Nummer, da ich irgendwann nach einem Platz für mein Pferd gesucht habe.) Falls ich weitere Unterstützung zur Entscheidung benötige, melde ich mich!
Liebe Grüße, Monika Dengler
Liebe Monika, wie schön, dass der Beitrag dir geholfen hat! Das freut mich. Du kannst die Übung beliebig oft wiederholen und vielleicht hast du ja auch mal Lust, die anderen Optionen auch noch dazu zu nehmen. Auch wenn du jetzt vielleicht keine Idee hast, welche das sein könnten, bin ich sicher, sie werden dir im Prozess einfallen. Und mach dir keinen Kopf, ich verstehe mich auch öfter mal nicht. Liebe Grüße