Was tun, wenn sich eine Trainingsmethode nicht richtig anfühlt?

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Warum dein Bauchgefühl oft der beste Ratgeber im Tiertraining ist

Ich finde es so wichtig, dass wir den passenden Weg für uns und unser Tier finden. Es gibt nicht den einen Weg, sondern jeder braucht etwas anderes. Doch wir dürfen auf das hören, was wir brauchen und wollen und so genau den Weg finden, der zu uns und unserem Tier passt. Leider höre ich immer noch Sätze wie: Da muss er durch oder das wurde immer schon so gemacht.

Nein niemand muss irgendwo durch und nur weil es immer schon so gemacht wurde, muss es nicht richtig sein. Und selbst wenn es für andere richtig ist, muss es nicht für dich richtig sein.

Ich glaube einfach, wenn wir mit unseren Tieren Methoden nutzen, mit denen wir uns nicht wohlfühlen, können wir uns nicht authentisch verhalten und das merkt unser Tier. Wie soll sich so eine vertrauensvolle Beziehung entwickeln. Deshalb darfst du hinschauen, hinterfragen, reflektieren und vielleicht auch verändern

Hör auf dein Bauchgefühl

Das ist erstmal das allerwichtigste, wenn du ein komisches Bauchgefühl, bei dem was du machen sollst, hast, lohnt es sich auf jeden Fall hinzuschauen. Auch wenn die Methode genau die richtige ist, hat es einen Grund, warum du dich damit unwohl fühlst. Außerdem ist es total schwierig Dinge umzusetzen, mit denen wir uns nicht wohlfühlen. Doch genau die Umsetzung ist im Training mit unseren Tieren das wichtigste. Es bringt nichts, wenn du die Sachen nur im Training machst weil du das Gefühl hast du musst sie machen. Wenn du dich dann außerhalb des Trainings total anders verhältst, bringt es nicht. Im Gegenteil, auf dein Tier wirkst du total unberechenbar wenn du Dinge mal so und dann doch wieder anders machst. Das wiederum ist wirklich nicht gut für die Beziehung zu deinem Tier, denn ein Tier braucht Sicherheit und du bekommt es nur durch einen verlässlichen Partner an der Seite. Einen Partner, der das was er macht authentisch macht und sich immer auf eine vorhersehbare Weise verhält.

Sprich darüber

Wenn du dich mit einer Methode unwohl fühlst, wird es dir wahrscheinlich schwer fallen sie umzusetzen. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen, Interessen und Vorlieben, das was für den einen passt, ist für den anderen gar nichts. Deshalb muss die Methode nicht falsch sein. Es ist allerdings wichtig, dass dein/e Hundetrainer:in weiß, dass du dich mit der Methode nicht wohl fühlst, sonst wird sie schwer nachvollziehen können, warum es bei euch nicht klappt. Vielleicht könnt ihr die Methode auch gemeinsam so anpassen, dass es für dich stimmiger ist. Wenn du das Gefühl hast, das geht nicht, solltest du wirklich darüber nachdenken, ob das der richtige Trainer für dich ist.

Denn meiner Meinung nach, sollte alles, was nicht stimmig ist, angesprochen werden kann. Im systemischen Ansatz gilt beispielsweise immer „Störungen haben Vorrang“. Das sehe ich auch bei allen anderen Dingen so, alles was störend ist muss erstmal besprochen werden, dann kann es weiter gehen. Wenn du vielleicht eher denkst, die Ablehnung hat etwas mit dir zu tun, kann es sinnvoll sein, dass du mit einem Coach etc darüber sprichst. Auf diesen Punkt gehe ich unten noch näher ein.

Verstehe die Methode

Es kann auch sinnvoll sein, wenn du herausfindest, was hinter der Methode steckt. Denn wenn wir verstehen warum wir tun was wir tun, fällt es uns oft einfacher. Der einfachste Weg ist einfach nachzufragen. Ein/e gute Hundetrainer:in sollte jederzeit in der Lage sein, dir zu erklären, warum du das was, sie dir vorschlägt tun sollst. Welche verhaltensbiologischen und lerntheoretischen Hintergründe stecken beispielsweise dahinter. Er oder sie sollte auch bereit sein, dir das gerne zu erklären, denn wenn wir verstehen, was wir tun, fällt es uns viel leichter das ganze auch umzusetzen, schon alleine weil wir genau wissen, worauf es ankommt. Ich persönlich finde es auch immer total sinnvoll sich selbst weiterzubilden und zumindest ein Grundverständnis seines Tieres zu haben, beispielsweise wie gelernt wird. Hier gibt es inzwischen echt tolle Literatur. Genau dies ist ja auch eines der Anliegen meines Blogs, Wissen zu vermitteln um uns und unsere Tiere besser zu verstehen.

Einfluss der Methode auf eure Beziehung

Selbst wenn die Methode, die du vorgeschlagen bekommst, beispielsweise aus lerntheoretischer Sicht logisch klingt, kann es trotzdem sein, dass sie nicht den Umgang fördert, denn du dir mit deinem Tier wünscht. So können Methoden, welche mit Strafe arbeiten, durchaus zum Erfolg führen, denn das Tier lernt, dass das Verhalten, das es zeigt negative Konsequenzen hat. Lerntheoretisch führt dies dazu, dass das Verhalten weniger häufig gezeigt wird. Doch möchtest du so mit deinem Tier arbeiten? Möchtest du es bestrafen? Was macht das mit eurer Beziehung?

Erkenne deinen eigenen Anteil

Es kann sein, dass die Methode theoretisch total sinnvoll ist, du auch verstehst, dass das Verhalten deines Tieres so geändert werden kann und es auch der Weg ist, wie du mit deinem Tier arbeiten möchtest. Aber trotzdem fühlt es sich komisch an. Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass deine Ablehnung etwas mit dir zu tun hat. Vielleicht magst du bestimmte Vorgehensweisen nicht, hast Angst etwas falsch zu machen oder die Methode entspricht nicht deinem Stil.

Meine Lina ist ja manchmal etwas stürmisch und impulsiv, vor allem wenn wir das Haus verlassen. Daher wollte ich daran arbeiten, dass wir etwas entspannter in den Spaziergang starten können. Mir wurde daher empfohlen, sie in diesen Situationen Leckerlies in verschiedenen Gegenständen suchen zu lassen. Also zum Beispiel aus Eierkartons, Muffinförmchen etc. Boah ich sag euch, ich habe und hatte voll die Ablehnung, doch warum? Lasst uns mal gemeinsam die anderen Tipps durchgehen, mein Bauchgefühl war komisch, deshalb habe ich hingeschaut. Ich verstehe die Methode und sie macht total Sinn, denn durch die Nasenarbeit kann mein Hund sich runterfahren. Auch unsere Beziehung ist nicht in Gefahr weil es etwas ist, was Lina total Spaß macht…doch woher kommt diese Ablehnung

Es muss also etwas mit mir zu tun haben und das hat es auch. Mich nervt es einfach, wenn ich 100 Sachen brauche und immer an alles denken muss. Es war schon ein Akt mit Eierkartons zu beschaffen und wenn ich sie gebraucht habe, hatte ich sie nie dabei. Daher kam die Idee mit den Muffinförmchen, ich habe sogar kleine geschenkt bekommen, damit ich sie mitnehmen kann. Aber ich habe sie dauernd vergessen. Bei mir ist es einfach generell so, dass ich keine Methoden mag, die so viel Vorbereitung brauchen und für die ich so viele Sachen brauche bzw mitnehmen muss. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich generell sehr minimalistisch lebe. Außerdem nutze ich auf Spaziergängen lieber Dinge in der Natur. Das mag jetzt wie eine Kleinigkeit klingen, aber es hätte nichts gebracht, wenn ich im Hundetraining einfach weitergemacht hätte, da ich die Methode wahrscheinlich nicht umgesetzt hätte. Das ist dann doof für meine Hundetrainerin, für mich und auch für meinen Hund. Stattdessen habe ich geschaut, wie ich die Methode, die ich prinzipiell sinnvoll ist, so anpassen kann, dass sie auf mich passt und ich sie so auch umsetzen kann.

Falls du dir Unterstützung dabei wünscht herauszufinden, was zu euch passt und welchen Weg du mit deinem Tier gehen möchtest, ist vielleicht mein Coachingprogramm Tierimpuls was für dich. Hier können wir beispielsweise auch besprechen, was dein Anteil sein könnte und wie du damit umgehen kannst, wenn sich bestimmte Methoden nicht passend anfühlen.

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