Ich muss zugeben, ich weiß gar nicht genau, wie es dazu kam, dass ich jetzt als rechtliche Betreuerin arbeite. Ich weiß, es ist ein Beruf der mich schon immer irgendwie fasziniert hat weil er zwei Themen vereint, die ich unglaublich gerne mag (abgesehen von Tieren natürlich😉): Persönliche Unterstützung und rechtliche Angelegenheiten. Was ich daran mag und warum ich diesen Job im letzten Jahr sonst noch wirklich lieben gelernt habt, erfährst du in diesem Artikel.
- Ich habe das Gefühl wirklich etwas zu bewirken und für meine Klienten tun zu können. Als ich mich dafür entschieden habe Soziale Arbeit zu studieren, habe ich das gemacht weil ich Menschen unterstützen wollte. Danach habe ich zehn Jahre in der Eingliederungshilfe für Menschen mit einer psychischen Erkrankung gearbeitet und diese Arbeit ist eine unfassbar große Hilfe. Hier werden Menschen in ihrem Alltag unterstützt und begleitet und hier sind wirklich oft große Erfolge sichtbar. Dennoch hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Hände gebunden sind, weil ich nichts ohne die Betroffenen machen konnte. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an und natürlich geht es immer darum, was die Betroffenen möchten. Doch manchmal, vor allem bei psychischen Erkrankungen, gehen bestimmte Sachen einfach nicht. Da ist es nicht möglich, den Briefkasten zu leeren oder die Anträge auszufüllen. Ja und dann gingen sie eben auch nicht….als rechtliche Betreuerin kann ich die Sachen übernehmen. Der wichtigste Grundsatz der rechtlichen Betreuung ist die sogenannte „unterstützte Entscheidungsfindung“, dabei geht es darum herauszufinden, was die Betroffenen möchten. Ja und sobald ich das weiß, kann ich es einfach machen. Ich kann die Anträge ausfüllen, Post bearbeiten, Schulden regulieren und ambulante Hilfen organisieren, je nachdem was notwendig ist. Da merke ich wirklich, dass dies eine richtige Entlastung für die Betroffenen sein kann und das gefällt mir. Ich möchte hier gar nicht werten, welche der beiden Tätigkeiten mehr bringt, weil beide wichtig und hilfreich sind. Außerdem ergänzen sie sich total gut und ich arbeite als rechtliche Beteuerin so gerne mit Mitarbeiter:innen der Eingliederungshilfe zusammen. Ich habe einfach gemerkt, dass mir inzwischen die rechtliche Betreuung mehr liegt.
- Ich liebe die Abwechslung zwischen Büro und direktem Kontakt. Ich bin wirklich sehr sehr gerne mit Menschen in Kontakt und ich glaube ich bin auch ziemlich gut darin, schnell in Kontakt zu kommen. Doch in den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass es wirklich anstrengend ist, den ganzen Tag mit Menschen in Kontakt zu sein. Genau so war es in der Eingliederungshilfe. Dadurch, dass alles gemeinsam mit den Betreuten gemacht wird, ist man eigentlich den ganzen Tag in Terminen. Früher habe ich das geliebt. Den ganzen Tag durch Frankfurt fahren und mit so vielen spannenden Menschen Kontakt zu haben. Doch dann wurde es mir zu viel. Dennoch mag ich es noch. Bei der rechtlichen Betreuung sind circa 2/3 Büroarbeit und 1/3 direkter Kontakt. Das ist für mich genau richtig. Da sind wir auch schon beim nächsten Punkt
- Ich mag administrative Bürotätigkeiten. Ja es ist wirklich so, ich bin echt ein bisschen langweilig aber mir macht es echt Spaß mit Anträgen, Rechtsgrundlagen und allem was dazu gehört auseinander zu setzen. Hier vielleicht ein kleiner Fun Fact: ich wollte ursprünglich tatsächlich Jura studieren und mich dann ganz spontan doch umentschieden. Früher habe ich mich immer wieder gefragt, ob das die richtige Entscheidung war. Doch ich glaube jetzt habe ich meinen Platz gefunden.
- Ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Das war mir echt schon immer wichtig. Mir war immer klar, ich bin niemand er zu fest vorgegeben Zeiten irgendwo einfach sein muss. Bei den rechtlichen Betreuungen kann ich mir alles selbst einteilen. Natürlich habe ich auch Termine aber diese vereinbare ich selbst mit den Betroffenen. Ich konnte in den letzten Wochen und Monaten also wirklich zum ersten Mal herausfinden, wann will ich was machen. Hier habe ich zum Beispiel festgestellt, dass ich morgens total produktiv bei allen Tätigkeiten am Schreibtisch bin und nachmittags will ich dann eher raus, da reicht es dann auch mit Bürokram. Also mache ich das so.
- Ich arbeite bis alles erledigt ist. Auch das ist etwas was mir total gut gefällt. Ich habe keine festen Arbeitszeiten oder Stunden, sondern einfach Aufgaben, die erledigt werden müssen und wenn sie erledigt sind, ist fertig. Das liegt mir einfach total. Irgendwie hatte ich schon immer ein Problem damit, jetzt einfach eine bestimmte Stundenzahl irgendwo zu sein oder eine Tätigkeit zu machen.
- Ich bin selbstständig. Es ist einfach schon so lange mein Wunsch selbstständig zu sein und einfach selbst entscheiden zu können was ich mache, wann ich es mache und mit wem ich es mache. Ich muss niemanden von meinen Ideen überzeugen, sondern kann einfach ausprobieren. Es gibt niemanden der mir etwas vorschreibt oder dem ich etwas vorschreiben soll. Ich liebe das sehr.
- Ich entscheide wie viel ich arbeite. Wenn ich viel arbeiten will, nehme ich mehr Klienten an und wenn nicht, dann halt weniger. Gibt dann natürlich auch weniger Geld, aber genau das kann ich entscheiden und zwar nicht einmal sondern immer wieder. Keine Anpassung der Arbeitsverträge etc.
- Ich kann gut mit spontan stressigen Situationen umgehen. Wenn plötzlich etwas passiert und ich reagieren muss, dann bin ich da echt gut drin. Genau das passiert bei den rechtlichen Betreuungen immer mal wieder. Worin ich nicht gut bin, ist wenn ich schon vorher weiß, dass es stressig wird. Dies kann ich durch die freie Zeiteinteilung bei den rechtlichen Betreuungen umgehen. Wenn ich weiß, es ist viel zu tun arbeite ich einfach mehr und dann wird es auch nicht stressig. Dafür wird es dann wieder entspannter.
- Außerdem sind die rechtlichen Angeboten eine super Ergänzung für meine Coachingangebote. Einige Dinge sind ähnlich, so geht es immer darum herauszufinden, was mein Betreuter oder eben mein Coachee will. Nur die Wege der Unterstützung sind andere. Im Coaching begleite ich dabei herauszufinden, wie was wirkt und/oder umgesetzt werden kann. Bei den rechtlichen Betreuung durch die Übernahme und/ oder Begleitung bei rechtlichen Angelegenheiten.