pferdegestütztes Coaching

Veröffentlicht am Kategorisiert als Impulse von Tieren Keine Kommentare zu pferdegestütztes Coaching

Heute möchte ich dir mal erzählen, warum ich persönlich es so großartig finde, Pferde im Coachingprozess einzusetzen. Ich habe bereits einen Artikel geschrieben, warum ich es liebe Pferde im Coachingprozess einzusetzen. In diesem Artikel möchte ich etwas näher darauf eingehen, welche Eigenschaften der Pferde sie zu so tollen Coachingpartnern machen, welchen Nutzen sie im Coachingprozess haben können und welche konkreten Interventionen es geben kann. Also was genau mit Pferden während einer Coachingeinheit gemacht wird.

Das Pferd – einFlucht- und Herdentier

Pferde als Fluchttiere sind von Natur aus skeptisch, klaustrophobisch und unsicher. In Gefahren – oder Konfliktsituationen bekommen sie Panik und flüchten. Erst dann überlegen sie, ob die Flucht wirklich nötig war.  Die Flucht kann verhindert werden, wenn sie sich an einem ruhigen, gelassenen Leittier orientieren können.

Als Flucht- und Beutetier ist das Pferd darauf angewiesen, kleinste Hinweise auf Verhaltensänderungen, die eine Gefahr bedeuten können, wahrzunehmen. Deshalb beobachten sie kleinste Veränderungen und Bewegungen in ihrem Umfeld genau.[1]

Pferde kommunizieren weniger über Laute, sondern überwiegend durch ihre Körpersprache. Das Pferd zeigt durch seine Körpersprache, wie es sich gerade fühlt. Jede Drehung des Ohres und die Körperhaltung mehrerer Pferde zueinander hat eine Bedeutung. Hierbei kann es sich nicht verstellen oder dem Menschen etwas vorspielen. Alle Reaktionen, jedes Verhalten und jede Regung stimmen bei einem Pferd mit seiner aktuellen Gefühlslage überein. Es strebt keine ideellen Ziele an, sondern alles, was es macht, dient der Erhaltung seines Wohlbefindens. Sie sind immer ehrlich und reagieren nur auf das, was der Mensch ihnen gerade anbietet, unabhängig von Status oder bisheriger Leistung.

Pferde leben in sozialen Zusammenschlüssen, diese bieten ihnen Schutz und Geborgenheit. Das Sozialverhalten, das notwendig ist, um in einer Gemeinschaft zu leben, ist bei Pferden sehr hoch entwickelt. Sie verfügen über eine Hierarchie, die genau festgelegt ist, diese wird als Rangordnung bezeichnet und bildet die Grundlage für jede soziale Interaktion. Besonders hervorzuheben ist der Rang der Leitstute und der des Leithengstes.

Die Leitstute führt die Herde an und trägt die Verantwortung für das Wohlergehen der einzelnen Herdenmitglieder. Sie zeichnet sich durch Souveranität, Beständigkeit, Besonnenheit, Klarheit und Vertrauenswürdigkeit aus. Wenn sie bei Gefahr das Zeichen zur Flucht gibt, folgt ihr die gesamte Herde, ohne darüber zu diskutieren.

Der Leithengst sichert die Herde von hinten gegen Angreifer und treibt sie an. Hierbei macht er Druck, zum Beispiel, indem er die anderen Pferde in die Flanke beißt. Er ist bereit zu kämpfen, um seine Herde zu schützen. Er zeichnet sich durch Kraft, (mentale) Stärke, Durchsetzungswille und Mut aus.

Wer ranghoch ist hat mehr Rechte und darf z.B. zuerst fressen. Es beinhaltet aber auch mehr Pflichten gegenüber den Artgenossen. So müssen ranghohe Tiere beispielsweise den Weg sichern und für Ruhe sorgen.

Jedes Pferd kennt seinen Rang und fühlt sich sicher, solange dieser klar ist und das Pferd weiß, wer über und wer unter ihm steht. Das Pferd ordnet daher allen Artgenossen und auch dem Menschen einen Rang zu. Der Mensch wird entweder als ranghöher oder niedriger eingestuft. Wird er als ranghöher eingestuft, orientiert sich das Pferd an ihm, wie an der Leitstute und macht, was der Mensch von ihm verlangt. Wird der Mensch als rangniedriger eingestuft, bedeutet dies für das Pferd, dass es selbst die Führung übernehmen muss.

Nutzen des Pferdes im Coachingprozess

Nun möchte ich darauf eingehen, wie die oben beschriebenen Eigenschaften im Coaching genutzt werden können und welche Vorteile sie für den Coachingprozess bringen können.

Akzeptanz und angenommen werden

Wie beschrieben sind Pferde immer ehrlich und reagieren nur auf das Verhalten, dass wir Menschen gerade zeigen. Sie haben keine Vorurteile, sondern nehmen jeden in seinem So-Sein an. Äußerlichkeiten spielen keine Rolle. Gerade wenn wir in unserer Vergangenheit vielleicht schonmal verurteilt wurden, uns Vorurteile begegnet sind oder wir Stigmatisierungen erfahren haben, kann diese Erfahrung unglaublich heilsam sein.

Außerdem kann das Feedback von Pferden oft besser angenommen werden, als von einem Menschen. Eine Ablehnung durch das Pferd ist eine unmittelbare Reaktion auf ein gezeigtes Verhalten (oder ein Empfinden) und keine Kränkung auf persönlicher Ebene. Wenn eine andere Person uns etwas sagt, neigen wir dazu, erstmal mit Widerstand zu reagieren. Bei Tieren tun wir das meistens nicht, denn selbst wenn wir nicht viel Erfahrung mit Tieren haben, spüren wir doch instinktiv, dass sie es nicht böse meinen, sondern eben nur reagoieren.

Schulung der Kommunikation

In der Kommunikation wird allgemein die analoge und die digitale Kommunikation unterschieden. Digitale Kommunikation ist vor allem das gesprochene Wort, analoge Kommunikation alles, was nonverbal abläuft. Wir Menschen haben häufig verlernt, unsere Körpersprache bewusst einzusetzen und kommunizieren mehr über das gesprochene Wort. Oder achtest du während du sprichst tatsächlich auf das, was dein Körper gerade macht? Nimmst du wahr, wie du deine Hände hältst? Ist dein Rücken gerade? Wenn wir darauf achten, dann meistens nur, weil wir es uns bewusst vorgenommen haben.

Das Problem ist nun jedoch, dass das was wir sagen, also das gesprochene Wort nicht immer mit dem, was wir wirklich meinen übereinstimmen muss. Kurz gesagt, wir können lügen oder uns verstellen. Unsere Körpersprache verrät uns jedoch, denn sie zeigt, wie es uns wirklich geht. Was ein Glück, haben wir nicht nur verlernt auf unsere Körpersprache zu achten, sondern auch sie bei anderen wahrzunehmen…. oder?

Pferde können das nicht, wie oben beschrieben kommunizieren Pferde überwiegend durch ihre Körpersprache. Doch nicht nur das, als Fluchttier sind sie zudem darauf angewiesen, die Körpersprache bei anderen sehr genau wahrzunehmen. Sie müssen schleißlich sofort merken, wenn die Leitstute sich anspannt, weil sie Gefahr erkennt. Denn diese kann nicht zu jedem Pferd gehen und es darauf aufmerksam machen, dass sie sich jetzt vielleicht mal auf den Weg machen sollten um vor dem Raubtier zu flüchten. Daher sind Pferde da echte Profis und nehmen auch unsere Körpersprache ganz genau wahr und reagieren nur darauf. Du kannst einem Pferd noch so oft sagen, dass diese gruselige Plane da hinten doch eigentlich gar nicht schlimm ist. Wenn dein Körper angespannt ist, merkt das Pferd nur das. Da spielt es auch keine Rolle, dass du gar keine Angst vor der Plane hast, sondern davor runterzufallen, weil dein Pferd bei der letzten Begegnung mit einer Plane die Flucht ergriffen und dich dabei verloren hat…und sagen kannst du es ihm schließlich auch nicht. Der Mensch kann sich also im Umgang mit Pferden nicht verstellen und das Pferd zeigt uns außerdem was wir wirklich fühlen. Denn manchmal haben wir den Zugang zu unseren wahren Gefühlen tatsächlich verloren, das ist auch gar kein Wunder. In der heutigen Welt sind sie ja doch oft eher störend, vor allem wenn wir uns in einer Welt bewegen, in der es vor allem um Leistung geht. Dadurch das das Pferd uns das zeigt bekommen wir die Möglichkeit wahrzunehmen und zu ändern. Wir bekommen die Möglichkeit dass unsere verbale und unsere nonverbale Kommunikation wieder übereinstimmen und werden so authentisch. Außerdem können wir lernen den Einsatz unserer Körpersprache zu schulen, was in Gesprächen echt hilfreich sein kann.

Außerdem besteht oft ein eingeschränkter Zugang zur eigenen Gefühlswelt und die Körpersprache kann nicht gut eingesetzt werden. Dies kann durch die Arbeit mit dem Pferd geschult werden

positive Beziehungserfahrung

Ein weiterer Nutzen den Pferde uns bieten ist, dass wir die Möglichkeit einer positiven Beziehungserfahrung bekommen. Gerade wenn wir hier in der Kindheit schlechte Erfahrungen gemacht haben, kann dies unglaublich heilsam sein. Durch die Akzeptanz im So – Sein, verbunden mit der kongruenten Kommunikation, die Klarheit schafft, kann eine neue, positive Art der Beziehung erlebt werden. Carl Rogers hat mal beschrieben, was die Wirkprinzipien einer guten Beziehung sind: Empathie, Kongruenz und unbedingte Wertschätzung sind. Na, kommt dir das nach dem Lesen dieses Artikels bekannt vor? All dies wird durch das Pferd ermöglicht. Diese erlebte und gefühlte Beziehung können wir dann unter Umständen sogar auf andere Menschen übertragen. Das Pferd kann hier als „Eisbrecher“ fungieren, es ermöglicht das Eingehen einer Beziehung, was im Coaching eine entscheidende Rolle spielt.

So und zu guter letzt ist das was wir da erfahren auch noch ziemlich nachhaltig, denn wir lernen es mit allen Sinnen. Es findet ein Erleben auf kognitiver, emotionaler und aktionaler Ebene statt. Dadurch wird eine ganzheitliche Lernerfahrung ermöglicht, die nachhaltig wirkt. Zudem wird leichter gelernt, wenn man dies mit Begeisterung macht. Es werden Botenstoffe ausgeschüttet, die im Hirn zu Umbauprozessen führen. Und ganz ehrlich, Zusammensein mit Pferden ist doch einfach echt was tolles.[6]

Was mit dem Pferd beim Coaching gemacht wird und wie es wirkt

Pferde beobachten

Schon die Beobachtung von Pferden kann dem/der Klient:in Gedankenanstöße zu eigenen Rollen und Positionen ermöglichen.  Wie oben beschrieben, gibt es auch innerhalb einer Pferdeherde eine klare Rollenverteilung. Wenn wir dies beobachten, kann es sein, dass uns Dinge bekannt vorkommen, dass wir uns mit Situationen, die wir beobachten direkt wohl fühlen oder dass sie ein ungutes Gefühl auslösen. Dies liegt unter anderem daran, dass Tiere unsere Phantasie anregen, genauer habe ich dies hier beschrieben.

Boden- und Freiarbeit

In der Boden– und Freiarbeit wird das Pferd mit oder ohne Seil bewegt. Gemeinsam können verschiedene Hindernisse bewältigt werden. Es können verschiedene Handlungsmöglichkeiten ausprobiert und erprobt werden. So kann herausgefunden werden, wie die eigene Körpersprache wirkt und wie wir es beispielsweise schaffen können Grenzen zu setzen. Auch unseres aktuelles Empfinden wird hier deutlich. Dadurch dass Pferde darauf angewiesen sind, jede noch so kleine körperliche Veränderung wahrzunehmen, nehmen sie genau wahr, ob wir gerade angespannt oder abgelenkt sind und reagieren darauf entsprechend. So wird es sehr schwer sein, das Tempo eines Pferdes zu verringern, wenn wir selbst angespannt sind. Diese Erfahrung durfte ich in der Vergangenheit immer wieder mit meiner Stute machen, bis ich angefangen habe an mir zu arbeiten. Das war auch der Grund, warum ich mein Coachingprogramm Tierimpuls entwickelt habe, hier kannst du die ganze Geschichte lesen.

Spaziergänge

Bei gemeinsamen Spaziergängen wird das Pferd im Umfeld der Anlage geführt. Hier kann gemeinsam mit dem Pferd die Natur erkundet werden, denn auch der Aufenthalt in der Natur kann so viel positives in uns bewirken und unser Cortisolspiegel, welcher für Stress verantwortlich ist, sinkt. Spaziergänge mit dem Pferd dienen einerseits der Entspannung aus dem doch oft sehr stressigen Alltag. Auf der anderen Seite verlangt das Pferd hier jedoch eine klare Führung und Konzentration, schließlich muss ja jemand aufpassen, dass kein Raubtier um die Ecke kommt. Wenn du das nicht machst, übernimmt das Pferd und es möchte euer Überleben sichern. Da ist es wichtig regelmäßig Nahrung zu sich zu nehmen, deshalb kann es schnell passieren, dass der Kopf des Pferdes im Gras versinkt, wenn du in Gedanken bei deiner nächsten Steuererklärung und nicht beim Pferd bist. Doch keine Sorge, das Pferd macht das nicht um dich zu ärgern, es sichert schließlich euer Überleben.

Reiten und getragen werden

Was wirklich eine Besonderheit bei Pferden ist, ist, dass diese großartigen Tiere sogar bereit sind uns durch die Gegend zu tragen. Denn das ist keinesfalls selbstverständlich. Um die dreidimensionalen Bewegungen des Pferdes ausbalancieren zu können, müssen wir uns im Gleichgewicht befinden, innen und außen. Das gleichmäßige an- und wieder entspannen der Muskulatur kann zu einer allgemeinen Entspannung führen. Die Körperspannung verbessert sich und das Körperbewusstsein wird gesteigert.  Zu Beginn wirst du natürlich geführt, das ist auch eine tolle Übung um Verantwortung abzugeben und zu vertrauen. Aus diesem passiven Getragen werden kann sich nach und nach eine aktive Beeinflussung des Pferdes ergeben. Du kannst lernen, wie du das Pferd kontrollieren kannst, dass es dahin geht wo du möchtest. Ganz ohne Druck und Zwang. Nur durch deine Körpersprache. Glaub mir, dass kann echt zu einer Steigerung des Selbstbewusstseins führen.

So falls du jetzt richtig Lust bekommen hast, das mal auszuprobieren, melde dich gerne bei mir. Spätestens im Frühjahr 2026 werden meine Coachingangebote wieder durch Pferde ergänzt.


Literatur:

Claßen, Peer/ Wild, Jeniffer (2020) : Übungsbuch Natural Horsemanship. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG.

Konir, Gerhard (2012): Pferdegestütztes Coaching. Menschliche Potenzialentwicklung durch tierische Hilfe. Books on Demand.


Kerstin Kruse, Kerstin/ Schröder, Anabel (2016): Coaching mit Pferden: Viel mehr als heiße Luft. Funktionsweise, Qualitätsmerkmale und Rahmenbedingungen pferdegestützter Coachings und Seminare. Windmühle Verlag


Vernooij/Monika A./Schneider, Silke (2008): Handbuch der tiergestützten Interventionen. Grundlagen. Konzepte. Praxisfelder. 3 Auflage. Wiebelsheim: Quelle&Meyer Verlag.

Claßen, Peer/ Wild, Jeniffer (2020) : Übungsbuch Natural Horsemanship. Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert