Manche Themen lassen einen einfach nicht los…

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Vor einigen Jahren ist durch meine Masterarbeit ein Thema in mein Leben gekommen, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: die Haustiere von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, in meinem speziellen Fall die Haustiere von Menschen in der Eingliederungshilfe und vor allem, wie Fachkräfte mit diesen umgehen sollten.

Dieses Thema hat mich sofort angesprochen und wirklich mitgerissen, es hat mich begeistert, fasziniert aber auch schockiert. Inzwischen gibt es so viele Studien, dass Tiere Menschen gut tun, und auch die tiergestützte Arbeit bekommt immer mehr Aufmerksamkeit. Bei der tiergestützten Arbeit geht es darum, dass Menschen, beispielsweise pädagogische Fachkräfte, ihre Tiere einsetzen um Klient:innen zu unterstützen, genau das habe ich die letzten Jahre auch gemacht. Hier kannst du genauer nachlesen, was das ist. Doch was ist eigentlich mit den eigenen Tieren von diesen Klient:innen, wie werden sie bei diesen unterstützt? Mich hat es wirklich schockiert, dass ich während all meiner Ausbildungen nie etwas darüber gelernt habe. Es gab einfach kein Angebot und ich bin sicher, ich hätte es mitbekommen, wenn es eines gegeben hätte. Das, obwohl Fachkräfte in der aufsuchenden Arbeit, wie beispielsweise der Eingliederungshilfe, zwangsläufig mit den Tieren konfrontiert werden. Da muss doch gelehrt werden, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Sollen die Klient:innen unterstützt werden? Muss dem Tier geholften werden? Oder geht das Tier die Fachkräfte einfach gar nichts an, weil sie da ist um dem Menschen zu helfen? Aber wenn das Tier doch dem Menschen hilft, hängt das dann nicht alles irgendwie zusammen? Was ist, wenn es dem Tier nicht gut geht?

Und noch ein ganz anderer Aspekt: Wie verhält es sich denn, wenn die Fachkraft keine Tiere mag oder Angst vor Ihnen hat?

Da ich auf all diese Fragen keine Antwort gefunden habe, habe ich Interviews mit Mitarbeiter:innen in der Eingliederungshilfe geführt und es war wirklich spannend. Ich werde hier bestimmt noch darüber berichten. All das war Teil meiner Masterarbeit, ich habe die Interviews ausgewertet und unter Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen Handlungsempfehlungen erstellt.

Kurze Zeit später hatte ich die Möglichkeit, auf einem Fachkongress über dieses Thema zu sprechen und es gab eine sehr spannende Diskussion zwischen den Vertretern der Tiere und den pädagogischen Fachkräften, wie denn nun mit den Tieren umzugehen sei. Die Tiervertreter, ich weiß leider nicht mehr genau, ob es eine Tierschutzorganisation, ein Verein oder vielleicht sogar das Veterinäramt war, waren der Meinung, die Fachkräfte müssten natürlich für das Tierwohl sorgen. Während einige pädagogische Fachkräfte eher der Ansicht waren, ihre Arbeit beschränke sich auf die Menschen, denn darin seien sie ausgebildet. Woher sollten sie denn wissen, ob es dem Tier gut geht oder nicht. Natürlich, wenn es offensichtlich ist, muss gehandelt werden, aber ist das Ganze immer so klar? Ist es normal, dass eine Katze stundenlang bewegungslos in einer Ecke sitzt? Was bedeutet es, wenn der Klient erzählt, sein Hund habe seit zwei Tagen nichts getrunken? Muss hier gehandelt werden? Vielleicht wird sogar erkannt, dass ein Tierarztbesuch notwendig wäre, doch was, wenn dafür das Geld fehlt? Hier habe ich ja auch schonmal etwas ausführlicher über die Herausforderungen in der Tierhaltung geschrieben.

Nach dem Kongress sind dann noch zwei Arbeitskreise entstanden, die sich mit dem Thema beschäftigen. Aktuell sind diese nach meinem Kenntnisstand leider etwas eingeschlafen. Ja und ich hatte, durch die Übernahme der Betriebsleitung eines Pferdepensionsbetriebes und einer darauffolgenden längeren Erkrankung, leider nicht mehr die Kapazitäten mich dem Thema so zu widmen, wie ich es mir gewünscht hätte.

Als ich schließlich gekündigt habe, wurden die Berührungspunkte im Rahmen der Eingliederungshilfe weniger, aber mir ist aufgefallen, dass das Ganze als rechtliche Betreuerin auch eine ganz zentrale Rolle spielen kann.

Vor einiger Zeit hat mich meine damalige Professorin, bei der ich die Masterthesis geschrieben habe, angefragt, ob ich, gemeinsam mit ihr einen Fachartikel schreiben möchte.

JA! Natürlich wollte ich das. Unbedingt! Es hat so viel Spaß gemacht und das Thema wurde wieder so präsent. Irgendwie war es nie ganz weg und ich habe immer die Augen offengehalten und hier und da auch mal Gespräche geführt, wie die Situation verbessert werden könnte, bin dem dann aber nie wirklich nachgegangen. Ich hatte einfach nicht die zeitlichen und mentalen Ressourcen mit richtig damit zu beschäftigen.

All das und vor allem die erneute Erkenntis, wie viel Spaß mir das Schreiben dieses Artikels gemacht hat wurde irgendwie in den letzten Tagen wieder sehr präsent. Vor allem seit ich vor kurzem beschlossen habe, ein Ende hinter die tiergestützte Pädagogik zu setzen, wollte ich dieses Thema unbedingt wieder aufgreifen.

Deshalb habe ich meine Dozentin angeschrieben, erstmal ganz unverbindlich mit einem Gedanken. Ein Gedanke, der sich immer noch so absurd anfühlt….Vielleicht könnte ich ja darüber promovieren? Sie hat mir sofort einen Gesprächstermin angeboten…

In dem Gespräch wurde schnell deutlich. Ja, das könnte ich und sie würde mich voll unterstützen und betreuen. Ihrer Meinung nach ist das Thema so wichtig und es sollte unbedingt mehr darüber geforscht werden. Ja was soll ich sagen…Ich? Promovieren? Ich muss zugeben, so ab und zu hab ich da schon mal drüber nachgedacht, aber eher so naja zum Spaß, denn ich kann sowas doch nicht. Puh, oder doch? Vielleicht kann ich. Ich habe mir dann noch zwei Tage Zeit genommen, darüber nachzudenken und JA! Das war übrigens auch der Grund, warum das Thema „Entscheidungen treffen“ bei mir so präsent war und dieser Aritkel entstanden ist.

Ich werde es versuchen und nun damit anfangen, das Expose zu schreiben, in dem ich auch das genaue Thema festlegen werde. Es wird auf jeden Fall um die Professionalisierung des Umgang mit Haustieren im sozialen Bereich gehen. Wie und was genau, wird sich bei den Recherchen zu meinem Exposé zeigen.

Ich weiß noch nicht genau, wohin mich diese Reise führen wird. Aber ich weiß, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit verdient. Und genau deshalb möchte ich ihm die nächsten Jahre meiner wissenschaftlichen Arbeit widmen.

Falls dich das Thema oder der Weg einer Promotion interessiert, schau hier gerne ab und zu mal vorbei. Ich werde versuchen, euch bei dem Prozess mitzunehmen. Folge mir auch gerne auf Instagram, dort gebe ich immer bekannt wenn es einen neuen Blogartikel gibt.

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