Bye bye tiergestützte Pädagogik

Veröffentlicht am Kategorisiert als Impulse von Tieren, Persönliches 4 Kommentare zu Bye bye tiergestützte Pädagogik
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Ich habe eine Entscheidung getroffen, eine Entscheidung, die mir wirklich nicht leicht gefallen ist, für die es aber Zeit wurde. Vielleicht hast du durch die Überschrift schon eine Idee…Ich werde nicht mehr als tiergestützte Pädagogin arbeiten.

Diese Arbeit hat zehn Jahre meines Lebens unglaublich stark geprägt und definiert.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich in meinem Studium angefangen habe, mich für Reittherapie zu interessieren und mir meine Stute Selene gekauft habe, tatsächlich schon mit dem Gedanken, sie in der Reittherapie einzusetzen und dann hat sie das alles erstmal in Frage gestellt und mein Weg hat mich weg von der Reittherapie hin zur tiergestützten Pädagogik geführt.

Ich erinnere mich noch, als ich die Stellenausschreibung meines letzten Arbeitsgebers gelesen habe, in der tiergestützte Pädagogik erwähnt wurde (vielleicht war es damals auch Reittherapie, das weiß ich nicht mehr). Das war der Grund, warum ich die Bewerbung abgeschickt habe.

Ich erinnere mich noch an das Vorstellungsgespräch, in dem es sehr schnell darum ging, dass ich mich auch in diesem Bereich einbringen kann, was die Entscheidung sehr leicht gemacht hat.

Ich erinnere mich noch so genau an die Bewilligung der Weiterbildung. Die Kosten für die Weiterbildung zur Fachkraft für tiergestützte Pädagogik waren für mich damals utopisch. Deshalb habe ich mich so unfassbar gefreut, als ich die Zusage bekam, dass ich die Ausbildung machen darf.

Ich erinnere mich noch an die Weiterbildung an der Liehrnhof Akademie. Was für eine unfassbar tolle Zeit, ich habe so viel gelernt, nicht nur über die tiergestützte Pädagogik, sondern auch über mich.

Ich erinnere mich noch genau an meine erste Klientin, meine Güte war ich vor dem Termin aufgeregt. Doch als es dann so weit war, war die Aufregung verflogen, es hat so viel Spaß gemacht.

Ich erinnere mich an viele weitere bereichernde Termine, mit tollen Menschen. Ich habe so viel gelernt und durfte meinen eigenen Ansatz entwickeln. Einen Ansatz, in dem es vor allem darum ging Tier und Mensch so zu akzeptieren, wie beide in diesem Augenblick sind, frei von Zwängen und Dingen, die getan werden müssen.

Ich erinnere mich an viele viele Projektsitzungen, in denen es um den Ausbau der tiergestützten Arbeit und die Umsetzung verschiedener Ideen ging.

Ich erinnere mich daran, dass ich so viel gelernt und gelesen habe, um wirklich jedem Klienten mit seiner ganz individuellen Geschichte gerecht zu werden. Ich habe so viele Interventionen und Ideen entwickelt.

Ich erinnere mich daran, sogar den Heilpraktiker für Psychotherapie gemacht zu haben um noch mehr über die verschiedenen psychischen Erkrankungen zu lernen.

Ich erinnere mich daran, den Trainerschein Westernreiten gemacht zu haben, um den damaligen Anforderungen des Veterinärmates gerecht zu werden. Eine der schlimmsten Zeiten meines Lebens, aber hey ich habe ihn geschafft.

Ich erinnere mich an die Umsetzung eines Projektes, bei dem ich nicht nur Menschen mit psychischen Erkrankungen, sondern auch Kinder und Jugendlich und vor allem Teams mit Tieren begleiten durfte.

Ich erinnere mich daran, als im Raum stand, einen Hof zu übernehmen und natürlich auch daran, als mein Arbeitgeber ihn tatsächlich übernommen hat, mit der Idee, die tiergestützte Arbeit dort auszubauen. Ich habe die Betriebsleitung übernommen.

Es war eine unfassbar aufregende, tolle Zeit, die ich wirklich nicht missen möchte.

Doch ich erinnere mich auch daran, wie ich mich immer wieder in Frage gestellt und vor allem hinterfragt habe, ob ich die Tiere nicht doch ausbeute.

Ich erinnere mich auch daran, wie oft ich den Anforderungen nicht gerecht werden konnte, vor allem als Betriebsleitung.

Ich erinnere mich auch daran, wie viele Konflikte mit anderen Menschen, die tiergestützt arbeiten, über die Umsetzung der Arbeit, vor allem mit Blick auf die Tiere, gab.

Ich erinnere mich auch daran, wie viele Anträge und andere administrative Dinge immer wieder gemacht werden mussten.

Ich erinnere mich auch daran, wie viele Dinge ich nicht machen konnte, weil die tiergestützte Arbeit so viel Raum eingenommen hat.

Ich erinnere mich auch an die Anstrengung, allen Tieren gerecht zu werden.

Und deshalb ist jetzt Zeit für etwas Neues. Als ich mich als rechtliche Betreuerin selbstständig gemacht habe, hatte ich noch die Idee, vielleicht ein bisschen als tiergestützte Pädagogin zu arbeiten, aber ich habe festgestellt, dass hierfür ein ziemlich großer behördlicher Aufwand notwendig wäre und das Ganze auch mit Kosten (Versicherung etc) verbunden wäre, so dass es sich einfach fast nicht lohnen würde.

Außerdem habe ich noch so viele andere Dinge, die ich gerne umsetzen möchte und dafür brauche ich zeitliche und vor allem auch mentale Kapazitäten. Ich habe, vor allem seit meiner Masterarbeit, die ich zum Umgang mit Haustieren in der Eingliederungshilf, geschrieben habe, gemerkt, dass ich gerade viel lieber Menschen bei ihren Tieren unterstützen möchte. Deshalb ist mein Coachingangebot Tierimpuls entstanden und deshalb habe ich die Ausbildung zur Hundetrainerin angefangen. Mein besonderes Augenmerk liegt auch wirklich darin, wie Menschen mit Einschränkungen bei der Tierhaltung unterstützt werden können. Hier gibt es so wenig Möglichkeiten und ich habe den großen Wunsch daran etwas zu ändern. Wie und was weiß ich noch nicht genau, aber ich weiß, dass sich hier Türen öffnen werden. Dafür müssen jedoch andere geschlossen werden.

Daran bedauere ich gerade vor allem, dass meine ganzen Erfahrungen und das Wissen in der tiergestützten Pädagogik für Menschen mit psychischen Erkrankungen dann irgendwie weg sind. Ich habe mir hierzu so viele Gedanken gemacht und so viel ausprobiert, weil es darüber wirklich sehr sehr wenig gibt. Doch vielleicht ergeben sich auch hier Möglichkeiten und wenn es nur ist, dass ich das Wissen nach und nach auf diesem Blog teilen werde. Außerdem werde ich das, was ich wirklich toll fand, durch mein Coachingangebot weiter machen und so Menschen bei ihrer Entwicklung durch ihre Haustiere unterstützen.

Wenn dich das Thema tiergestützte Pädagogik interessiert, lohnt es sich also trotzdem, ab und zu Mal vorbeizuschauen.

4 Kommentare

  1. Liebe Jacky,
    in deinem Leben ist nie etwas umsonst gewesen. Ich bin mur ziemlich sicher, dass deine Erfahrungen sich miteinander verknüpfen und mit einem anderen Schwerpunkt weitertragen.
    Auch als Betreuerin wirst du bestimmt schon gemerkt habe., dass Tiere auch dort eine Rolle spielen können.
    Schau, was dir der Weg zeigt. Mit dem „in dich Hineinspüren“ hast du ja schon Übung.
    LG Anna

    1. Liebe Anna, vielen Dank für deine Antwort. Da stimme ich dir absolut zu und ich weiß, dass sich neue spannende Sachen entwickeln werden. Ein Grund für die Entscheidung war ja auch, dass ich so viele Ideen habe und einfach die zeitlichen und mentalen Ressourcen haben möchte um sie umzusetzen. Trotzdem bin ich so dankbar für die Erfahrungen in der tiergestützten Pädagogik, denn nur so konnte mein Coachingangebot entstehen.

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